
Autor: Rüdiger Meyer
Die regulatorische Landschaft für Climate Claims hat sich grundlegend verändert. Mit der neuen Empowering Consumers Directive (EmpCo) Richtlinie der EU, die ab dem 27. September 2026 verbindlich wird, endet die Ära der vagen klimaneutralen Werbeversprechen “durch simple Kompensation”. Grüne, irreführende Versprechen ohne wissenschaftliche Belege sollen dann endlich der Vergangenheit angehören.
Was auf den ersten Blick wie eine Einschränkung aussieht, ist bei genauerem Hinsehen eine enorme Chance für Unternehmen, die in ihrer Kommunikation auf echte Wirksamkeit setzen wollen.
Die neue Realität: Warum der Weg unweigerlich zum Contribution Claim führt
Machen wir uns nichts vor: Die EmpCo ändert die Spielregeln von Grund auf. Die Zeiten, in denen sich Produkte einfach per Zertifikatekauf „klimaneutral“ stellen ließen, sind vorbei – Compensation Claims auf Produktebene sind faktisch tot.
Auch für das gesamte Unternehmen sind solche Claims nur noch unter härtesten Bedingungen zulässig. Wer heute von Kompensation spricht, muss eine lückenlose Reduktionsstrategie vorlegen und darf ausschließlich die absolut unvermeidbaren Restemissionen ausgleichen.
Die Realität für die meisten Unternehmen lautet jedoch: Es wird noch Jahre dauern, bis alle vermeidbaren Emissionen tatsächlich im eigenen Betrieb und der Lieferkette abgebaut sind.
Die logische Konsequenz: Der Contribution Claim – also die transparente Kommunikation des finanziellen Beitrags zum globalen Klimaschutz – bleibt auf absehbare Zeit das einzig gangbare und rechtssichere Instrument für Unternehmen.
Anstatt zu behaupten, man habe einen negativen Einfluss „neutralisiert“, müssen Unternehmen nun ihren aktiven Beitrag kommunizieren.
Ein Beispiel
Bisher gültige Claims, die auf reiner Kompensation durch Zertifikatekauf basierten und in ihrer Aussage vage blieben wie “Unser Unternehmen ist bereits jetzt klimaneutral” gelten unter EmpCo nur noch im konkret belegbaren Kontext. Ab September 2026 müsste es also beispielsweise heißen “Wir konnten die CO2-Emissionen in unserer Produktion bereits um XY % senken im Vergleich zum Jahr 2020”.
Hier stellt sich die strategische Frage: Welche Zertifikate nutzen wir für die unter EmpCo geforderten Contribution Claims?
Rein regulatorisch eignen sich ex-ante (Forward) Zertifikate dafür genauso gut wie ex-post Zertifikate. Strategisch und kommunikativ sind es zwei ganz verschiedene Ansätze.
Ex-post Zertifikate werden häufig mit klassischen Compensation Claims verbunden, da sie für eine Klimaleistung stehen, die bereits in der Vergangenheit erbracht wurde. Die Klimawirkung ist also bereits passiert.
Ex-ante Zertifikate hingegen erzählen eine ganz neue Geschichte: Wer heute ex-ante kauft, agiert als echter „Enabler“: Unternehmen finanzieren und ermöglichen damit Klimaschutzprojekte, die ohne dieses Vorab-Investment niemals das Licht der Welt erblickt hätten.
Und genau hier entfalten eva Zertifikate ihren wahren Wert: Warum anonyme Projekte am anderen Ende der Welt finanzieren, wenn die Wirkung eines Investments direkt greifbar gemacht werden kann? Mit ex-ante Zertifikaten von eva investiert man in heimische Waldökosysteme, begleitet den dringenden Umbau hin zu klimaresilienten Mischwäldern und kann die positive Entwicklung ständig mitverfolgen.
Wichtig hierbei: Ohne diese Vorfinanzierung des Klimaschutzes genau dort, wo Mitarbeiter am Wochenende spazieren gehen und Kunden Zuhause sind, gibt es auch keine Klimawirkung!
Anstelle von abstrakten Sponsorings bieten ex-ante lokales Risikomanagement und sichtbare Verantwortung direkt vor der eigenen Haustür.
Der CFO-Faktor: Hedging – Der Preis von heute für das Zertifikat von morgen
Jede Marketingabteilung ist dankbar für eine greifbare Story. Noch interessanter für Geschäftsleitung und Controlling sind jedoch die nackten Zahlen. Das Gute ist: ex-ante ist nicht nur Kommunikationsstrategie, sondern aktives Hedging.
2030 wird bei den meisten großen Konzernen nach SBTi die Erfüllung der Net-Zero-Ziele fällig. Ab diesem Zeitpunkt prognostizieren Analysten einen massiven Nachfrageüberhang nach hochwertigen Carbon Removal Zertifikaten. Das Kopernikus-Projekt Ariadne am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung veröffentlichte 2025 eine Studie zu Preisen von ex-ante Zertifikaten in 20301. Preisszenarien von weit über 100 bis 150 Euro pro Tonne sind dabei keine Seltenheit.
Wer also wartet und erst in der Zukunft ex-post Zertifikate kauft, setzt sich einem enormen Preisrisiko auf einem leer gefegten Markt aus.
Mein Fazit ist deshalb: Die EmpCo wertet ex-ante Projekte als strategische Enabler massiv auf. Sie sind das stärkste Instrument für Unternehmen, um ihre Rolle als Klimapioniere glaubhaft und regional verankert zu untermauern. Mehr noch: Sie sind ein finanzielles Schutzschild. Wir investieren nicht teuer in die Vergangenheit, sondern finanzieren intelligent die Lösungen von morgen. Genau das ist die Story, die glaubwürdige und klug agierende Unternehmen heute erzählen müssen.
Quellen
1Notwendige CO2-Preise zum Erreichen des europäischen …